UZH Alumna: lic. phil. Fanni Fetzer, Direktorin des Kunstmuseums Luzern

Fanni Fetzer

Vom Journalismus zur Kunstvermittlung: Ein Studium der Geisteswissenschaften eröffnet viele Karrieremöglichkeiten. Fanni Fetzer spricht über ihre Träume und blickt auf eine wechselvolle Laufbahn.

Ursprünglich wollte Fanni Fetzer selber Künstlerin werden. «Ich habe einfach immer gern gezeichnet», erzählt die Direktorin des Kunstmuseums Luzern bei einem Besuch. Draussen, hinter der grossflächigen Verglasung des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL), funkelt der Vierwaldstättersee in der morgendlichen Wintersonne. Das mit Holz und sandfarbenen Textilien eingerichtete Museumscafé im vierten Stock bietet einen grandiosen Ausblick auf die pittoreske Altstadt – seit die Administration des Kunstmuseums 2015 ihre Büros zugunsten eines öffentlich zugänglichen Bereichs mit Foyer, Buchshop und Café geräumt hat und auf der Gebäuderückseite eingezogen ist.

Künstlerin werden, das merkt Fanni Fetzer im Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Zürich schnell, liegt ihr dann doch nicht im Blut. Ihr Zugang zu Malerei und Co. ist ein anderer. Sie denkt viel über die gestellten Aufgaben nach, fühlt sich intellektuell unter-, handwerklich aber überfordert. Am Ende präsentiert sie statt eines Kunstwerks einen Text.

Also keine Künstlerexistenz, lieber eine akademische Karriere. Fetzer schreibt sich für Politikwissenschaft, Volkskunde sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Zürich ein – eine Fächerkombination, für die sie kein Latinum braucht. «Am Anfang war ich frustriert, dass ich ohne Lateinkenntnisse nicht studieren durfte, was ich wollte, und dass ich mich zudem auf drei Fachrichtungen beschränken musste. Dabei hätte ich am liebsten 15 verschiedene Fächer gleichzeitig belegt.»

Die Enttäuschung hält nicht lange an, «denn die öffentlichen Ring- und Poetikvorlesungen in Germanistik und Kunstgeschichte konnte ich ja trotzdem besuchen». Sich aus Interesse zu verzetteln, das geniesst die 20-Jährige ausgiebig. Ausserdem erlebt sie das Studium als «sehr diskursfreudig». Ob es in den Kursen um das Geschlechterverhältnis in der Schweizer Politik, Negativzinsen oder Demokratiebestrebungen in der EU geht – Fetzer hat häufig das Gefühl, am Puls der Zeit zu diskutieren.

Mit dem universitären Abschluss eilt es ihr folglich nicht, zumal sie studienbegleitend beim Kulturmagazin «Du» arbeitet, erst als Volontärin, dann als Redaktorin. Fetzer schreibt sich quer durch die Themenfelder – von der Geschichte der Kartoffel bis zu den Strickbildern der Künstlerin Rosemarie Trockel. Und sie merkt dabei: Letztlich ist es egal, welches (geisteswissenschaftliche) Fach man studiert, «es geht vielmehr darum, kritisches Denken zu lernen, Texte gegen den Strich zu lesen, zu -analysieren, in einen Kontext einzuordnen und sich eine souveräne Meinung zu bilden».

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Anna-Julia Lingg Kosch

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