Frauen an der Uni: Ehrung einer Pionierin

Nadezhda Suslova

Vor genau 150 Jahren hat Nadeschda Suslowa als erste Frau an der UZH die Doktorwürde erlangt. Den feierlichen Jubiläumsanlass zu Ehren der Pionierin vergangene Woche nahm Rektor Hengartner zum Anlass, ein neues Förderinstrument der UZH zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie anzukündigen. 

Nadeschda Suslowa war mutig. Geprägt von der Ära Zar Alexander des II, der das geistige Leben in Russland förderte, wollte sie als Ärztin Menschen helfen und sich als Frau beweisen. Das in einer Zeit, in der Frauen wenig Rechte hatten. Trotz der Reformen, die der Zar auch in der Mädchenausbildung durchsetzte, war es aber in Russland nicht möglich, dass Frauen studierten. Kein Einzelfall – überall in Europa studieren nur Männer an Hochschulen.

Und doch gab es Ausnahmen: Die Universität Zürich war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die zweite europäische Universität nach Paris, an der Frauen studieren durften. Seit den 1860er-Jahren kamen deshalb zahlreiche junge Frauen, die in ihrer Heimat nicht studieren konnten, nach Zürich; darunter viele Russinnen. Suslowa wurde im Jahr 1867 an der medizinischen Fakultät der UZH regulär immatrikuliert. Obwohl es keine Reglemente gab, zeigte sich der damalige Rektor unbürokratisch und noch im selben Jahr wurde Suslowa promoviert. Die ordentliche Promotion einer Frau war damals einzigartig, nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.

 

Stopp nach dem Doktorat

Mit der Aufnahme von Nadeschda Suslowa an die UZH wurde vor 150 Jahren die Tür der Hochschulen für die Frauen geöffnet. Doch wie sieht die Situation für die Frauen an der UZH heute aus? Mit einem Anteil von 57 Prozent studieren an der UZH inzwischen sogar mehr Frauen als Männer. Dies sei nicht zuletzt die erfreuliche Folge einer konsequenten Gleichstellungsstrategie, sagte Rektor Michael Hengartner.

Und doch gibt es eine entscheidende Hürde: Überdurchschnittlich viele Frauen verlassen die Wissenschaft nach dem Doktorat. Deshalb ist trotz des hohen Anteils an weiblichen Studierenden der Frauenanteil auf der Stufe Professur viel zu niedrig. An der UZH beträgt der Frauenanteil bei den Professuren nur wenig über 20 Prozent.

 

Neues Förderinstrument

Um die Gleichstellung der Geschlechter als Selbstverständlichkeit zu unterstützen, richtet die UZH ab 2018 ein neues Förderinstrument für Nachwuchsforschende ein, sagte Rektor Hengartner. «Wir haben den 150. Jahrestag der Promotion von Nadeschda Suslowa zum Anlass genommen, ein ‚Suslowa-Postdoc-Fellowship’ zu schaffen.» Es solle Nachwuchsforschenden, die ihre Laufbahn aus Gründen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterbrechen mussten, einen finanzierten Wiedereinstieg ermöglichen, wie Rektor Michael Hengartner erklärte.

 

Artikel erschienen in UZH News, 20.11.2017

Zum ganzen Artikel

Marita Fuchs, UZH News

News