UZH-Botschafter in Übersee

Boston View

Boston ist eines der akademischen Zentren der USA. Das macht sich das dortige UZH Alumni Chapter zunutze: Nebst der Rolle als Netzwerk-Plattform für ausgewanderte Alumni will es UZH-Studierenden den Zugang zur Berufswelt erleichtern, zum Beispiel mit einem Forschungspraktikum für Medizinstudierende. Im Interview erzählt Chapter Chair Matthias Oberli, weshalb er sich fernab der Heimat für seine Alma Mater engagiert.

Welche Bedeutung hat die UZH für Sie?
Ich blicke gerne auf meine Studienzeit an der UZH zurück, an der ich meine akademisch-naturwissenschaftliche Grundausbildung erhielt, die es mir ermöglicht hat, meine Leidenschaft, das Forschen, zu meinem Beruf zu machen. Dank des Schweizer Ausbildungsmodells mit vergleichsweise tiefen Studiengebühren erhielt ich eine top Grundausbildung und durfte mich auf die Forschung konzentrieren. Nun möchte ich etwas zurückgeben.

Weshalb engagieren Sie sich als Präsident beim UZH Alumni Chapter Boston?
Ich engagiere mich gerne gemeinschaftlich und schätze den Austausch mit anderen Alumni. Dieser Erfahrungsaustausch war nach meiner Ankunft hier in den USA sehr hilfreich. Ich habe wichtige Ratschläge zur Wohnungssuche, zum Visaprozess und generell zum Leben in Boston erhalten. Das Alumni-Netzwerk kann bei einem internationalen Umzug sehr nützlich sein. Angehende Austauschstudierende möchte ich ermuntern, schon vor dem Umzug Kontakt mit den lokalen Alumni aufzunehmen. Ausserdem möchte ich die UZH-Alumni-Community hier in Boston zu einem starken Botschafter der Marke «Universität Zürich» machen.

Was macht Ihre Organisation aus?
Die UZH hatte eines der ersten Schweizer Alumni-Chapters hier in Boston. Inzwischen haben die meisten Schweizer Hochschulen Chapters hier. Unter Mithilfe des Netzwerks Swissnex haben wir eine funktionierende Gemeinschaft unter den verschiedenen Schweizer Alumni-Chapters gebildet. Es finden regelmässig gemeinsame Veranstaltungen statt und oft werden auch die anderen Chapters zu Events eingeladen. Wir haben viele Austauschstudierende, Doktorierende und Postdoktorierende mit einem UZH-Abschluss, die für ein bis drei Jahre nach Boston kommen und dann weiterziehen. Ihre Interessen unterscheiden sich von den permanent hier in den USA lebenden UZH-Alumni. Wir haben noch keine Zauberformel gefunden, die für alle passt, arbeiten aber noch daran und entwickeln uns ständig weiter.

Was war Ihr grösster Erfolg als Präsident?
Als Alumni-Chapter sind wir nicht nur für die UZH-Alumni, die hier leben, eine Ressource, sondern auch für die UZH und die jetzigen UZH-Studierenden. Als Absolventen in der Berufswelt haben wir ein Netzwerk und Erfahrung, wovon Studierende profitieren könnten. Deshalb haben wir mit UZH Alumni, medAlumni UZH und dem Universitätsspital Zürich ein Pilotprojekt gestartet, das Absolventen des medizinischen Staatsexamens ermöglicht, ein Forschungspraktikum in einem Spitzenlabor zu absolvieren. Wir hatten bereits einen ersten Mediziner am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und sind daran, das Programm fortzuführen und auszubauen. Das ist mein bisher grösster Erfolg und ich bin der Meinung, dass in der Kooperation mit den Alumni noch viel Potential liegt.

Weshalb vernetzen sich Alumni der UZH im Ausland?
Das kann ich nur aus persönlicher Sicht beantworten: Aufgrund meiner positiven Erlebnisse fühle ich mich nach wie vor mit der UZH verbunden, vernetze mich gerne mit neuen interessanten Kontakten, freue mich über Events zu unterschiedlichen Themen, um meinen Horizont ausserhalb meines eigenen Feldes zu erweitern, und nicht zuletzt möchte ich auch mein Schweizerdeutsch nicht verlernen.

Weshalb ist die Alumni-Kultur in den USA so etabliert?
Das hat bestimmt mehrere Gründe. Ein wichtiger Faktor könnte sein, dass ein grosser Teil der Jugendlichen in den USA nach der High-School, im Alter von 17 Jahren, ein College oder eine University für 5 Jahre besuchen. Bei der Grösse des Landes ziehen sie oft weit weg vom Elternhaus und logieren in sogenannten «Dorms» oder Studentenwohnheimen. So könnte man sagen, dass das College die Erziehung weiterführt und die Kommilitonen zu einer Art Ersatzfamilie werden. Das führt zu einer starken Identifikation und Bindung an die Alma Mater, was sich in der Alumni-Kultur spiegelt.

Matthias Oberli, Boston

Matthias Oberli ist seit 2015 Präsident des UZH Alumni Chapters Boston mit rund 100 Mitgliedern. Der Chemiker lebt und arbeitet seit zehn Jahren in den USA.
 

Anna-Julia Lingg Kosch

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