Der Gegensatz zwischen Mann und Frau

Applaus für das neue Women's Chapter

Die UZH Alumnae haben die Gründung des Women's Chapters gefeiert. Wie der Abend gezeigt hat, gibt es noch viel zu tun, bis die Frauen gleichgestellt und gleichberechtigt sind.

Braucht es ein Women's Chapter? Das war die grosse Frage an der Gründungsfeier am Dienstagabend. Die Antwort lautet: Ja. Das zeigte einerseits der grosse Aufmarsch an der Gründungsfeier – rund 100 Frauen, darunter viele Studentinnen – und die Diskussionen rund um das Thema, zuerst in organisierter Form im Gespräch zwischen Geschlechterforscherin Katrin Meyer und der Moderatorin Barbara Bleisch, dann im Plenum und anschliessend beim Apéro mit Käse und Wein.

Wie ein roter Faden zog sich die Feststellung durch den Abend, dass die Frauen nach wie vor nicht die gleiche Handlungs- und Gestaltungsmacht haben wie die Männer, auch in aufgeklärten und liberalen Gesellschaften wie der Schweiz und ebensolchen Institutionen wie der UZH. An der UZH ist nur knapp jede vierte Professur von einer Frau besetzt, während es im Mittelbau noch mehr als 50 Prozent Frauen gibt. Die Wissenschaft sei immer noch so organisiert, dass sie es Frauen schwer mache, sich zu entscheiden, stellt Katrin Meyer fest, die als Oberassistentin am Fachbereich Gender Studies der UZH arbeitet.

Podiumsgespräch

 

Karriere oder geglücktes Leben?
Das grundsätzliche Problem ist, dass der Wissenschaftsbetrieb, Wirtschaft und Politik immer noch nach Regeln funktionieren, die von Männern für Männer gemacht wurden. Wenn Frauen Karriere machen, müssen sie sich entsprechend verhalten. Das führt beispielsweise zum Paradox, dass Katrin Meyer den ambitionierten Studentinnen und Doktorandinnen, die sie betreut, die Regeln klar macht, nach denen der akademische Betrieb funktioniert und die sie befolgen müssen, wenn sie Karriere machen wollen. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass die Strukturen verändert werden müssen, damit sich die Frauen nicht mehr entscheiden müssen: Karriere oder ein umfassendes, geglücktes Leben?

Neben den strukturellen gibt es weitere Hindernisse, die Frauen überwinden müssen. So stellt Meyer fest, dass sie sich nicht gerne exponieren. Männer scheinen damit weniger Probleme zu haben. Allerdings werden Frauen in der Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen und kommentiert als Männer, sagte Barbara Bleisch, die als Moderatorin von Sternstunde Philosophie selbst im Rampenlicht steht. «Eine Utopie wären deshalb Formen der Öffentlichkeit, die Frauen nicht abschrecken», sagte Meyer.
 

Die Regeln des Spiels
Und Frauen treten nicht gerne in Konkurrenz mit Männern. Darauf wies die emeritierte Ökonomieprofessorin Margit Osterloh in der Diskussion im Plenum hin. Der Wettbewerb müsse so gestaltet werden, dass sich Frauen daran beteiligen, forderte Osterloh. Sie befürwortet deshalb Frauenquoten. Klar ist: Wenn sie die Regeln ändern wollen, müssen Frauen in Positionen gelangen, die es ihnen ermöglichen, diese mitzubestimmen.

Wären Teilzeitstellen eine Lösung etwa bei den Professuren? Rektor Michael Hengartner wies darauf hin, dass es an der UZH sehr wohl Teilzeitpensen auf dieser Stufe gebe, «die meisten sind aber von Männern besetzt.» Ein Beispiel für eine flexiblere Handhabung der Vergabe von Professuren ist die Klinik für Kleintiermedizin an der Vetsuisse Fakultät, wo sich zwei Professorinnen 120 Stellenprozente teilen. Wer bereits eine Professur hat, kann das Pensum vorübergehend auch reduzieren, etwa auf familiären Gründen. «Das bewilligen wir heute ohne Diskussionen», betonte der Rektor.
 

Solidarität zwischen den Geschlechtern
Welche Wege führen zur Gleichberechtigung? «Es braucht Solidarität zwischen den Geschlechtern», betonte Katrin Meyer, «und Solidarität mit anderen Minderheiten. Und natürlich Solidarität unter den Frauen und dies bei allen Unterschieden: «Frauen haben unterschiedliche Neigungen und Fähigkeiten, genauso wie Männer.»

Solidarisch waren für einmal die Frauen: Die vier anwesenden Männer durften sich beim anschliessenden Apéro an die Stehtische gesellen und mitdiskutieren. Den Schreibenden verschlug es in eine Runde mit alt Stadträtin Monika Stocker und Margit Osterloh: «Kommen Sie nur an unseren Tisch», sagte Osterloh, «Sie sind hier ja heute in der Minderheit. Ich weiss wie das ist, war das die ganze Zeit.»

Dieser Artikel ist erschienen in UZH News.