Mauro Dell'Ambrogio: Staatssekretär

Persönlichkeiten blicken auf ihre Studienzeit an der UZH zurück. Diesmal der Leiter des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, Mauro Dell'Ambrogio.

Text von Daniel Bütler, erschienen im UZH Journal Nr. 6/2013

Mauro Dell'Ambrogio an einem Anlass von OEC ALUMNI UZH; Bild: Lorenz Pachmann

«Der Anfang an der UZH war für mich ein Alptraum», sagt Mauro Dell'Ambrogio. Er fühlte sich wie ein Fremdarbeiter. Sein Tessiner Schuldeutsch reichte nur knapp zur Verständigung; statt wie bisher der Klassenbeste zu sein, war er jetzt nur noch Mitläufer. «Ich erlebte an der Universität ein eigentliches ‹Bescheidenheitsbad›.» Heute kann Dell'Ambrogio über seine Zürcher Anfänge lachen. Dass sein Selbstbewusstsein dadurch keinen bleibenden Schaden erlitten hat, wird klar, wenn man den Chefbeamten von seiner bunten Karriere erzählen hört. Der Entscheid für die UZH fiel aus pragmatischen Gründen: Er wollte an eine Deutschschweizer Uni, weil Deutschkenntnisse einen beruflichen Vorteil darstellten. Vom Jurastudium versprach er sich am meisten Flexibilität für die Berufswelt, die ihn auch dank der elterlichen Prägung in die Politik führte: Sein Vater war Gemeindepräsident von Giubiasco TI, ein Amt, das Dell'Ambrogio später selbst ausübte.

Lehrer für alles, von Turnen bis Griechisch

Das Studium von 1972 bis 1977 wickelte Dell'Ambrogio sehr zielorientiert ab. An zwei bis drei Tagen in der Woche war er an der UZH, die restliche Zeit verbrachte er im Tessin, wo er zur Finanzierung des Studiums als Aushilfslehrer arbeitete: «Ich unterrichtete alles, von Turnen bis Griechisch», sagt der 60-jährige schmunzelnd. Sein Sozialleben spielte sich im Südkanton ab; jenseits des Gotthards war er nur, um zu studieren. Obwohl er heute keine besonders enge Verbindung zur UZH pflege, schlage sein Herz aber immer noch schneller, wenn er sich der Rämistrasse nähere, sagt Dell'Ambrogio.

Ins Rechtsstudium vertiefte er sich mit Leidenschaft, noch heute schwärmt er von einem Blockseminar: «Innert vier Tagen verfassten wir zu Übungszwecken ein Gesetz. Das war ein fantastischer Startpunkt für mich; später habe ich im Berufsleben zahlreiche Gesetze selber geschrieben.» Leicht polemisch fügt er an: «So ein Seminar bringt mehr als zwei Semester Vorlesungen.»

Nach fünf Jahren bereits Doktor

Das Studium schloss er mit einer Dissertation zum Thema «DIe Ästhetik im Recht» ab. Nach knapp fünf Jahren an der Universität bereits Doktor – wie war das möglich? Seine Dissertation halte jeglichen Plagiatsvorwürfen stand, da sei er sicher, sagt Mauro Dell'Ambrogio augenzwinkernd. Tatsächlich waren damals die universitären Wege kürzer und wohl auch einfacher.

Was hat er vom Studium mitgenommen? Als eine der wichtigsten Lektionen nennt er die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen und Interessen zu erkennen. Er habe die Juristerei kultiviert und liebe es, mit seinen Mitarbeitenden rechtliche Sachverhalte zu diskutieren. Man kann sich den rhetorisch beschlagenen Anwalt auch gut in einer Gerichtsdebatte vorstellen. 

Zurück im Tessin, machte das FDP-Mitglied Mauro Dell'Ambrogio eine steile Karriere: Er war unter anderem Polizei-Kommandant, Generalsekretär des Bildungsdepartements und Direktor der Fachhochschule der italienischen Schweiz. 2007 erhielt er den «Ruf» aus Bundesbern, wo er heute das neue Staatssekreteriat für Bildung, Forschung und Innovation leitet. Er sieht sich jedoch weniger als oberster Lenker der (Hoch-)Schulen denn als «Schiedsrichter». Dem föderalistischen Bildungswesen attestiert er hohe Qualität; mehr zentrale Steuerung durch den Bund sei unnötig. «99 Prozent der Herausforderungen im Bildungsbereich betreffen die Lehrenden sowie die lokalen und kantonalen Behörden. Ich glaube an ein selbstlernendes System und an den Wettbewerb der Ideen.» Das klingt nach gut eidgenössischer Diplomatie. Hat der Mann auch Ecken und Kanten? Durchaus – Dell'Ambrogio kritisierte öffentlich Langzeitstudierende und zeigte sich offen für eine Erhöhung der Studiengebühren. Für die erfolgten Proteste aus studentischen Kreisen signalisiert er aber Verständnis: Er sei nicht explizit für, aber auch nicht gegen eine Erhöhung der Studiengebühren. Die Hochschulen sollen darüber selbständig entscheiden können.

Was immer man darüber denkt: Das eine oder andere heisse Eisen wird der Staatssekretär noch aus dem Feuer holen müssen.