Michael Elsener: Kabarettist

«Von aussen ist die Uni echt noch schöner als von innen»

«Michael wer?» heisst es auf seiner Website, dabei ist der 28-jährige nicht mehr wegzudenken aus der Kabarettszene. In Zürich hat er Politikwissenschaft studiert und sich anschliessend gleich bei sich selber beworben. Seither tourt er durch die Welt mit seinen Soloprogrammen und verbreitet Charme und Witz von Biel bis Bonn, von Sempach bis New York.

Michael Elsener

«Auf der Bühne stehe ich seit meiner Gymi-Zeit. Zu Beginn vom Studium hab ich mich aber vor allem auf offenen Bühnen ausprobiert. Da kriegt man zehn Minuten Zeit und kann schauen, ob über das, was man selber lustig findet, auch andere Menschen lachen können. Nun, ähm, da gab es zu Beginn eine gewisse Diskrepanz.

Irgendwann hatte ich dann aber den Dreh raus. Auf der Bühne lief es immer besser. Nach vier Jahren Studium hatte ich gut gefüllte Theatersäle und Auftritte im Fernsehen. Aber, ähm, zwischen den Vorstellungen meiner Profs und meiner Comedy gab es eine gewisse Diskrepanz.

Einmal vermeldete unser Prof eine Woche im voraus, dass die Prüfung nicht wie abgemacht um 14 Uhr stattfindet, sondern erst um 18 Uhr. Ich sagte ihm, dass dann in Basel ein Theater mit Menschen drin auf mich wartet. Da hat er gemeint: ‹Dann musst du das Theaterdings eben verschieben. Du musst lernen, in deinem Leben Prioritäten zu setzen.›  Was ich dann auch gemacht habe – indem ich der Prüfung fernblieb. Und meinem Prof zwei Eintrittskarten für eine Vorstellung in Winterthur schenkte. 

Danach hatte ich keine Probleme mehr, Bühne und Studium unter einen Hut zu bringen. Nach dem Liz hab ich mich quasi bei mir selber beworben. Ich habe den Job dann auch auf Anhieb bekommen. Seither bin ich mein eigener Chef.

Komplexe Zusammenhänge auf einfache Sprachbilder runterbrechen, also die Art zu Denken, die ich mir in meinem Studium angeeignet habe, hilft mir heute beim Suchen von gesellschaftlich relevanten Themen für meine Nummern. Und beim Schreiben von Pointen übers Tagesgeschehen. 

Neben meinen Auftritten mit dem aktuellen Soloprogramm, mache ich immer wieder mal Einspielfilme für Comedy-Sendungen beim Schweizer Fernsehen, oder ich parodiere bekannte Menschen wie etwa Roger Federer für Giacobbo/Müller.

Seit 2011 bin ich auch auf Bühnen in Deutschland zu sehen. Im Nachbarland ist die Konkurrenz zwar härter. Und die Gagen sind tiefer. Aber Deutschland hält mich frisch. Weil die wirklich einen anderen Humor haben als wir Schweizer, zwingt mich das dazu, alles was ich auf die Bühne bringe, zweimal durchzudenken. 

Seit 2012 bin ich zudem mindestens einmal im Jahr in New Yorker Comedy Clubs am Auftreten. Im so genannten Ursprungsland der Stand Up Comedy. Hier ist die Konkurrenz noch eine Spur härter und die Gagen sind nochmals tiefer. Aber ich liebe die Spontaneität auf diesen Bühnen. Und verdammt, es ist New York.

Mir ist grad aufgefallen, dass ich praktisch nirgends von meinem eigentlichen Studium berichtet habe, geschweige denn meine Uni erwähnt habe. Drum hier: Uni Zürich. Also ich find die Uni Zürich ist ne Nette. Nur, ich war glaub einer jener Studenten, der einen Grossteil der Zeit eher ausserhalb dieses architektonisch wertvollen Gebäudes verbracht hat. Weil ich finde: Von aussen ist die Uni echt noch schöner, als von innen.»

 www.michaelelsener.ch