Florian Inhauser: «Tagesschau»-Moderator

Persönlichkeiten blicken auf ihre Studienzeit an der UZH zurück. Diesmal «Tagesschau»-Moderator Florian Inhauser.

Text von Alice Werner, erschienen im UZH Journal Nr. 6/2014

Florian Inhauser an der Alumni ReUNIon 2013; Bild: Mirjam Kluka

Kurztour durch die «Tagesschau»-Kulisse. Florian Inhauser knipst das Studiolicht an. Aus dem Dunkel tauchen Kameras auf, Scheinwerfer, Beamer, Teleprompter, Kabelrollen. Jemand hat seine halb ausgetrunkene Wasserflasche in einer Ecke stehen lassen - ein spärliches Lebenszeichen inmitten der fernsehtypischen Cleanness. Nachmittags, ausserhalb der Sendezeit, ist das Nachrichtenstudio ein sehr verlassener Ort. Licht aus, Tür zu, lieber raus auf die sonnige Dachterrasse des SRF-Studios Zürich Leutschenbach. Florian Inhauser kommt gerade aus der täglichen 14.30-Uhr-Sizung, in der die «Tagesschau»-Redaktion die Hauptausgabe der Sendung bespricht. Ein Koffein-Nikotin-Cocktail sei jetzt dringend notwendig, meint der Fernsehmann mit gespielter Erschöpfung und streckt sich ächtzend auf der Sitzbank aus. Später, Punkt 19.30 Uhr, wird er in Anzug und Krawatte an seinem acht Meter langen Moderationspult stehen und uns, den «Damen und Herren», einen guten Abend wünschen.

Seit 13 Jahren arbeitet Inhauser beim SRF als Redaktor, Reporter, Korrespondent und Moderator; seit letztem Jahr moderiert er die Hauptausgabe der «Tagesschau». Er spricht so, wie man ihn vom Bildschirm her kennt: geschliffene Sprache, kein Genuschel, kein Ringen um Worte. Nur manchmal eine kurze Pause, wenn er nach der richtigen, mal ironischen, mal launigen Formulierung sucht und die Zeit nutzt für ein paar hastige Zigarettenzüge und einen Schluss kalt gewordenen Espresso.

Kurzer Rückblick auf die Schulzeit: Einsteins Begeisterung für die Naturwissenscaften färben nicht auf den Gymnasiasten Florian ab, auch wenn beide in der Aarauer Kantonsschule fürs Leben lernen. Sprache, Kultur, Geschichte interessieren ihn mehr. Mit einem Bericht im Aarauer Generalanzeiger über eine Legoausstellung im Einkaufszentrum «City-Märt» startet er als 16-Jähriger seine journalistische Laufbahn.

«Geschichte ist grosses Actionkino»

1990 geht er zum Studium nach Zürich und schreibt sich an der UZH für Geschichte ein. Eine Art Universalgelehrtheit schwebt ihm damals vor. «Ich habe keine tieferen Einblicke in politische Anthropologie, Verfahrenstechnik oder römisches Recht, aber ich behaupte, Geschichte ist das umfassendste und spannendste Studium, das man wählen kann.» Weil es vom Menschen handelt? «Weil Geschichte grosses Actionkino ist, da ist alles drin: Sex and Crime, Intrigen, Blaulicht, Krieg.» Als Nebenfächer belegt er Germanistik und Anglistik, aus Liebe zur Literatur. An einige Veranstaltungen der Germanisten denkt er heute mit gemischten Gefühlen zurück. Gehasst hat er das, was der 2013 verstorbene Berliner Schriftsteller Wolfgang Hermdorf unter «Germanistenscheiss» verstand und was er selbst «Rezeption auf der Gspürsch-mi-Ebene» nennt: die Verarbeitung von literarischen Werken auf Basis der eigenen Gefühlswelt. «Furchtbar betulich!»

Das akademische, selbstbezogene Kreisen um «das eigene zarte Seelchen», wie Florian Inhauser mit leichtem Spott in der Stimme bemerkt, sei bei den Anglisten glücklicherweise nicht so ausgeprägt gewesen: «Wenn Shakespeare mit dem Zweihänder kommt, bleibt keine Zeit für Seelenstriptease.»

Seine sieben Studienjahre hat der Fernsehjournalist als federleichte, freie Zeit in Erinnerung. Belustigtes Grinsen: «Ich habe teilweise mit Kommilitonen studiert, die kurz vor der Pensionierung standen, ohne einmal ins Arbeitsleben geschnuppert zu haben.» Er selbst stellt es lebensnaher an. Gemeinsam mit einem «Kumpel von der Uni» wird er fester freier Mitarbeiter beim «Blick». Die beiden sind nun zuständig für die wöchentliche Filmseite. Zwei Jahre lang verbringen sie mehr Stunden auf den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Berlin als in Zürcher Hörsälen.

Anschliessend will es Inhauser, dessen Leidenschaft für tiefgründige Recherche beim Boulevard kläglich gelitten hat, noch einmal wirklich wissen. Er sucht sich für seine Lizentiatsarbeit ein wissenschaftliches Themenfeld, auf dem er handfeste Grabungsarbeit leisten kann: die Lagerzeitungen deutscher Kriegsgefangener in britischer Haft während und nach dem Zweiten Weltkrieg. In einer kleinen Londoner Holocaust-Bibliothek wühlt sich der angehende Historiker durch vergilbte Zeitungsseiten, die seit einem halben Jahrhundert unangetastet in Kisten ruhen. 300 Artikel wertet er im Hinblick auf ihre Argumentationsstrukturen aus. Inhausers Abschlussarbeit, die er bei Rindspfeffer und viel Bier feiert, hätte beinahe noch in eine Doktorarbeit gemündet. «Aber ich bin dann doch den Verlockungen des Arbeitslebens erlegen. Einmal «ins Fernsehen reingerutscht», geht es steil aufwärts im Journalistenberuf.