Philip Jung: Jurist und Schauspieler

Von Luftschlössern, die ein wenig wahr geworden sind

Ein St. Moritzer, der in Manila geboren wurde. Ein Jurist, der Personal vermittelt, aber auch gerne in Film- oder Werberollen schlüpft. Philip Jung liebt die Abwechslung und seine Unabhängigkeit.

«Als ich jung war, hätte ich mir vorstellen können Psychologe oder Regisseur zu werden, aber das waren für einen Engadiner Bub Ende der 70er Jahre doch nur Luftschlösser. Unentschlossen wie so viele nach der Matura studierte ich das Fach, das die meisten Optionen versprach: Jus. Heute bin ich selbständiger Personalberater für die Versicherungsbranche in Zürich und nebenbei spiele ich als Statist in Filmen oder mime den Chirurgen, Anwalt oder Tierpfleger in der Werbung (der «ältere Herr mit grauen Haaren» ist eine gesuchte Spezies). So betrachtet habe ich also doch ein wenig von den Jugendträumen in meinem Alltag verwirklicht. Ich stehe ab und zu am Set und vor der Kamera und Personal zu vermitteln heisst Lebensgeschichten zuzuhören, Menschen einzuschätzen und zu beraten. Ein wenig Filmer und Psychologe bin ich doch geworden und in dieser «Light»-Version stimmt es für mich, denn ebenso wichtig ist mir meine Unabhängigkeit und die habe ich gefunden.

Ich fühle mich als St. Moritzer, man hört es an meinem Dialekt, geboren wurde ich aber 1964 in Manila. Schon mein Grossvater, der in einer Winterthurer Handelsfirma arbeitete, die Tabakplantagen in den Philippinen betrieb, war in den 20er Jahren dorthin ausgewandert. Bei einem Aufenthalt in der Schweiz lernte er meine Grossmutter kennen, sie ging mit ihm und auch mein Vater lernte während eines Urlaubs in der Schweiz seine Frau kennen, eine St. Moritzer Hotelierstochter. Meine Mutter ging ebenfalls mit nach Manila. Als es im Land 1969 politisch unruhig wurde, beschlossen meine Eltern, in die Schweiz zurückzukehren. Sie übernahmen in St. Moritz ein kleineres Hotel aus der Familie; zu wenig zum leben, zu viel zum sterben und sehr viel Arbeit. Dass ich nicht Hotelier werden würde, war mir schon früh klar.

Als ich mit fünf Jahren in die Schweiz kam, sprach ich nur Englisch, aber im Kindergarten lernte ich den Dialekt schnell. Ich besuchte die Evangelische Mittelschule in Samedan, dann kam ich nach Zürich, studierte fünf Jahre Jus und am Ende wusste ich, dass ich weder Anwalt noch Richter werden würde. Die Wirtschaft zog mich mehr an und so machte ich eine einjährige Zusatzausbildung bei der Zürich Versicherung und arbeitete mehrere Jahre in der internationalen Haftpflichtversicherung. 1996 wechselte ich zur Union Rück. Als die Firma 1998 in die Schweizer Rück integriert wurde, fühlte ich mich dort plötzlich wie eine Art Beamter. Da erwachte der alte Traum der Selbständigkeit in mir. Ich wurde zunächst Partner bei einem Headhunter, arbeitete mich in das neue Berufsfeld ein und 2002 gründete ich die Philip Jung Consulting und machte mich ganz selbständig. Ich vermittle zusammen mit einer Geschäftspartnerin Personal für die Versicherungsbranche. Seit 2003 bin ich zudem Generalbevollmächtigter für die Schweiz der «Houston Casualty Company“, einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft.

2009 bin ich in dieses schöne Altbaubüro in einer kleinen Bürogemeinschaft in der Enge gezogen. Hier geht es mir richtig gut. Wir sind drei Juristen, aber jeder ist anders tätig: Beatrice verwaltet Stiftungen, Evan ist Rechtsanwalt und ich vermittle Personal. Es stimmt eben – als Jurist stehen einem später viele Optionen offen. Ich bin seit 1990 verheiratet, unsere Tochter ist schon erwachsen und studiert an der ETH. In den Ferien und oft auch an Wochenenden zieht es meine Frau und mich zurück in die alte Heimat, das Engadin.

Als Personalberater muss einem das Netzwerken Spass machen. Ich nutze dazu LinkedIn, Xing und auch auf Facebook bin ich aktiv. Dazu kommen Mitgliedschaften wie bei den Alumni der RWF und dem ZUNIV. Nicht dass ich ein eifriger Besucher der Anlässe wäre, aber ich interessiere mich dafür, was an der Universität läuft, lese Journal und Magazin, nehme Vergünstigungen in Anspruch und die neue Kreditkarte von Alumni UZH finde ich sehr praktisch. Die Universität ist mir gut in Erinnerung geblieben und ich gebe mit meiner Beteiligung an den Alumni Organisationen gerne ein wenig zurück und bleibe in Kontakt.»

(aufgezeichnet im November 2013 ds)

Philip Jung Consulting: www.mypjc.com