Irene Kaufmann-Brändli: Vizepräsidentin des Coop-Verwaltungsrates

Persönlichkeiten blicken auf ihre Studienzeit an der UZH zurück. Diesmal die Vizepräsidentin des Coop-Verwaltungsrates, Irene Kaufmann-Brändli

Text von Deborah Sutter, erschienen im UZH Journal Nr. 5/2013

Irene Kaufmann-Brändli; Bild: Coop

Ganze zehn Jahre hat sie an der Universität Zürich verbracht: Irene Kaufmann-Brändli, Vizepräsidentin des Coop-Verwaltungsrates, war eine leidenschaftliche Studentin. Als es aber darum ging, während der Dissertation als Assistentin am Institut für Betriebswirtschaftslehre (IBW) zu arbeiten, winkte sie ab. «Für mich war eines immer klar: Ich werde nie Dozentin, egal ob an der Schule oder an der Universität», erzählt die heute 58-Jährige bei einem Kaffee im Lichthof im UZH-Zentrum. Sie entschied sich für eine Tätigkeit beim Beratungsunternehmen Nabholz. Von dort aus startete sie ihre berufliche Karriere, die im Mandat als Präsidentin des Coop-Verwaltungsrates von 2009 bis 2011 ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Den Posten strebte Irene Kaufmann nicht gezielt an, sie kam mehr oder minder zufällig dazu. «Ich habe einfach stets die richtigen Chancen ergriffen», sagt sie. 1994 kam sie über die ehemalige SP-Nationalrätin Lilian Uchtenhagen, Präsidentin der damals selbstständigen Genossenschaft Coop Zürich, zu Coop.

Im Ausschlussverfahren

Ebenfalls überraschend wenig zielstrebig fand Irene Kaufmann zum Wirtschaftsstudium: «Ich war im Wirtschaftsgymnasium in Hottingen und entschied mich mehr oder weniger per Ausschlussverfahren für mein Studium: Die ETH fiel weg, da ich keine Leuchte in Mathematik war, und auch mit Sprachen hatte ich nicht viel am Hut.» Sie habe nie zu denjenigen gehört, die bereits im Gymnasium wussten, welchen Beruf sie später ergreifen würden. Der allererste Berufswunsch jedoch hat mit dem, was Irene Kaufmann heute tut, so gar nichts gemein: «Seit ich mein erstes Kindermärchen gesehen habe, wollte ich Schauspielerin werden. Der Wunsch blieb ziemlich lange bestehen – bis es dann konkreter wurde und ich merken musste, dass mir andere Dinge wohl doch besser liegen.»

Summa cum laude

An der Universität begeisterte sie vor allem die grosse Freiheit. «Ich erinnere mich, dass mir dieses freie Gestalten des Alltags total zusagte.» Sie habe sich extrem wohlgefühlt – natürlich nicht nur wegen der Vorlesungen und Seminare. «Ich habe in den viereinhalb Jahren Studium richtig gut jassen gelernt. Wir haben oft im Lichthof gejasst, zugegebenermassen manchmal als attraktive Alternative zur Vorlesung.» Im Studium engagierte sie sich jeweils «quartalsweise»: «Ich war stets sehr zielstrebig und effizient. So habe ich mich für Prüfungen und Seminararbeiten jeweils voll reingekniet, dazwischen blieb viel Zeit zum Arbeiten oder Skifahren.» Dennoch oder vielleicht gerade deswegen schloss Kaufmann ihr Lizenziat mit summa cum laude ab. Irene Kaufmann ist in Zürich aufgewachsen und lebt auch heute noch mit ihrem Mann, einem Arzt, und den zwei Söhnen in der Stadt. «Heute wäre es kaum mehr denkbar, stets am selben Ort zu bleiben. Doch damals kam es aus finanziellen Gründen nicht in Frage, in einer anderen Stadt zu studieren.» Auch als ihre Söhne, heute 23 und 25, klein waren, arbeitete Irene Kaufmann. «Wie ich das gemacht habe, frage ich mich heute manchmal auch.

Aber ich hatte das Glück, dass meine Mutter bei der Betreuung viel half – und mein Büro war relativ locker im Umgang mit Kindergeplärre, wenn sich partout kein Babysitter finden liess.»Aus ihrer Studienzeit hat die Ökonomin nicht nur Fachwissen und die Fähigkeit, strukturiert zu denken, mitgenommen: «Eine Studienkollegin, die ich am ersten Nachmittag kennengelernt habe, ist heute noch eine meiner besten Freundinnen. Zu-dem gehe ich auch jetzt noch mindestens einmal in der Woche ins Kondi im ASVZ.» Das habe sie auch während des Studiums immer gerne gemacht, «um fit zu bleiben».Doch nicht nur in sportlicher Hinsicht ist Irene Kaufmann auch heute noch eng mit der UZH verbunden. Sie ist Mitglied des Advisory Board am IBW – und kann sich durchaus vorstellen, wieder in den Hörsälen zu sitzen. «Wenn ich beruflich nicht mehr gar so viel zu tun habe, könnte ich mir gut vorstellen, mich nochmals in andere Themen zu vertiefen. Kunstgeschichte, Geschichte oder Archäologie reizen mich», so Kaufmann. Denn anders als zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn könne sie sich dann aus reinem Interesse an der Materie Vorlesungen anhören: «Ich stehe nicht mehr unter dem Druck von Karriereplanung und Geldverdienen – und ich will auch nicht nochmals ein Studium mit allem, was an Prüfungen dazugehört, absolvieren.»