Bruno Meier: Autor und Verleger

Persönlichkeiten blicken auf ihre Studienzeit an der Universität Zürich zurück. Diesmal Autor und Verleger Bruno Meier, der vor 20 Jahren den Verlag «Hier und Jetzt» gründete.

 

Text von Lukas Denzler, erschienen im UZH Journal 3/2018

Bruno Meier

 

Der Weg zum Verlag «Hier und Jetzt» in Baden ist originell. Vom Bahnhof gelangt der Besucher mit dem Promenadenlift direkt zur Limmat. Am Uferweg entlang ist es nur ein kurzer Spaziergang bis in die Badener Unterstadt. Dort, am Fluss, wo früher das stinkige Gewerbe angesiedelt war, blüht seit einigen Jahren die Kreativszene auf. 

Bruno Meier empfängt den Gast in den Räumen des Verlags. Vor wenigen Wochen ist sein Buch «1291» erschienen. Es handelt von dem mythischen Jahr, das wegen des Bundesbriefs vielen als Gründungsjahr der Eidgenossenschaft gilt. Dabei nahm die steile Karriere des Dokuments laut den Historikern erst im 19. Jahrhundert seinen Anfang.

Geschichtsschreibung in der Gegenwart

Die Frage liegt auf der Hand: Wie passt 1291 mit dem «Hier und Jetzt» zusammen? «Geschichtsschreibung findet stets in der Gegenwart statt», sagt Bruno Meier. 1291 sei zudem mit einer hohen Emotionalität verbunden. Dass dem wirklich so ist, zeigt unter anderem eine Buchbesprechung im «Tages-Anzeiger», die über 100 Leserkommentare provoziert hat. Das gewählte Konzept, ein einzelnes Jahr zu beleuchten, sei nicht neu, sagt Meier. «Ein bekanntes Beispiel ist das Buch von Florian Illies mit dem Titel ‹1913›.» Darin werde die Stimmung in der Kunstszene in Wien und Berlin kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs geschildert. Während Illies aber aus vielen Dokumenten habe schöpfen können, existierten für «1291» nur wenige gesicherte Quellen.

Vor 20 Jahren gründete Bruno Meier zusammen mit zwei Kollegen einen Verlag für Kultur und Geschichte. «Das war eigentlich fast ein Zufall», sagt Meier. Nach siebenjähriger Tätigkeit beim Historischen Museum Baden habe er etwas Neues beginnen wollen. Meier hatte ein Mandat bei einer Druckerei, die auch einen Verlag betrieb: Den sollte er stärken. Aus ökonomischen Gründen war aber rasch klar, dass der Verlag eingestellt werden musste – zu Meiers Bedauern, denn er hatte konkrete Projekte in der Pipeline. «Und so entschieden wir, selber etwas auf die Beine zu stellen», sagt er. Eins der ersten Bücher 1999 handelte vom Tod und vom Sterben. Es entstand anlässlich der Ausstellung «Last minute» im Stapferhaus Lenzburg. Das Buch erhielt viel Aufmerksamkeit, verkaufte sich gut und beflügelte den Start des Verlags.

Das Studium der Geschichte an der Universität Zürich hat Bruno Meier geprägt. Neben der klassischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte waren in den 80er-Jahren die Geschlechter und Umweltgeschichte wichtige neue Themen. «Wir hatten im Studium enorme Freiheiten und studierten assoziativ», sagt er rückblickend. Man schnupperte überall hinein und setze dann Schwerpunkte. Meier schloss beim Mittelalter--Spezialisten Roger Sablonier ab. Bereits berufstätig, verfasste er eine Dissertation über das Spätmittelalter im aargauischen Surbtal.

Zusammenhänge erkennen

Als etwas vom Wertvollsten am Geschichtsstudium erachtet Meier die Fähigkeit, Zusammenhänge in Gesellschaft und Politik zu erkennen. Mit dem Verlag möchte er Geschichte einem breiten Publikum zugänglich machen. Roger Sablonier war ihm bezüglich der Vermittlung von Geschichte in der Öffentlichkeit ein Vorbild. «Viele seiner Schüler sind heute an ganz unterschiedlichen Vermittlungsstellen tätig», sagt Meier.

So ist es auch kein Zufall, dass Sablonier selbst Autor eines Buchs ist, das der Verlag publiziert hat: «Gründungszeit ohne Eid-genossen» erschien 2008 und liegt bereits in der vierten Auflage vor. Ebenfalls erfolgreich ist Thomas Maissens Standardwerk «Geschichte der Schweiz». Im September kommen zwei Bücher zur neueren Geschichte der Schweiz auf den Markt: «Fremde Richter» von Georg Kreis und «Völkerrecht» von Oliver Diggelmann. Diese Publikationen erscheinen just im Vorfeld der Volksabstimmung über die Selbstbestimmungsinitiative.

Lesen erfordert Zeit

Doch welche Zukunft hat das gedruckte Buch? Die Ökonomie im Verlagswesen sei stets prekär, sagt Meier. Aufgrund der oft geringen Auflagen brauche es in vielen Fällen eine Zusatzfinanzierung. Dank Stiftungen und der Unterstützung durch die Kantone sei in der Schweiz mit ihrem vergleichsweise kleinen Markt aber immer noch einiges möglich. Seit drei Jahren gebe es auch eine Verlagsförderung durch den Bund. Das Buch werde überleben.

Die wichtigere Frage aber sei, wie es in Zukunft um das Lesen bestellt ist. Sind die Menschen überhaupt noch bereit, sich auf längere Texte einzulassen? Die alte Kulturtechnik des Lesens wird durch die schnell-lebigen digi-talen Medien herausgefordert. Doch alle Wünsche vermögen sie nicht zu erfüllen. Vielleicht schlägt das Pendel bald schon zurück.