Carola Scotoni Berger: Juristin, Mutter, Beraterin

Die Geniesserin mit sozialer Ader

Carola Scotoni Berger vereint viele Welten in sich: Juristin, Mutter, Beraterin für Gastronomiebetriebe, Hotels und Klöster. Die frühere Pfadiführerin und «Töffbraut» steht 2014 für die FDP auf der Gemeinderatsliste und hält Genussfreude für genauso wichtig wie soziales Engagement.

«Nach meinem Jusstudium an der Universität Zürich und Praktika in Anwaltsbüros und auf dem Gericht war mir klar, dass ich beruflich etwas Anderes machen wollte. Das Brüten über Dossiers und die Auseinandersetzung mit Scheidungen oder Drogenkriminellen am Gericht, das war nicht meine Welt. Die Wirtschaft schien mir abwechslungsreicher, also bewarb ich mich zusammen mit 60 anderen Kandidaten um eine Stelle im Marketing von Unilever. Beim Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, was ich denn von Weichspülern halte. ‹Gar nichts›, gab ich zur Antwort, ‹sie belasten die Umwelt, sind überflüssig und dienen nur dem höheren Umsatz›. Danach ärgerte ich mich, dass ich nicht diplomatischer gewesen war, aber siehe da, ich bekam die Stelle. Ich war voller Tatendrang. Von Marketing verstand ich zwar kaum etwas – als erstes schaffte ich mir zwei Bücher an –, aber ich stürzte mich in die Aufgabe und hatte Spass daran. Ich blieb zwei Jahre und war am Ende verantwortliche  Produktmanagerin für Reinigungsmittel wie Vif und Flup. Mein Mann wurde Anwalt und als Doppelverdiener konnten wir privat unserer grossen Leidenschaft frönen: dem Kochen und Essen. In jungen Jahren steckten wir fast unser ganzes Geld in Restaurantbesuche und ich bekochte zu Hause gerne viele Gäste. Irgendwann kam der Gedanke auf, dass es schön wäre, diese Begeisterung beruflich zu nutzen.

Mitte der neunziger Jahre liess ich mich zur diplomierten Hotelfachfrau ausbilden und als mein Mann in die USA ging, um einen LLM zu machen, konnte ich im Four Seasons Hotel Chicago und im Swissôtel Drake in New York als rechte Hand des Hotelmanagers arbeiten. Von 1998 bis 2001 leitete ich den Hotellerieteil von  ‹Gut Bocken›, dem Seminar- und Eventzentrum der Credit Suisse und 2000 war ich gastronomische Betriebsleiterin des Schweizer Zumthor Pavillons an der Weltausstellung in Hannover. Dann sollte ich Personalchefin eines grösseren Catering-Unternehmens werden, was im letzten Moment doch nicht klappte. Ich stand auf der Strasse und merkte, dass ich Lust hatte, etwas Neues anzupacken. Ich habe viel Energie, bin eine Netzwerkerin und Managerin, habe aber auch eine spirituelle Seite und hatte Lust, alles unter einen Hut zu bringen. So gründete ich die Firma ‹kraftwerk›. Ich berate unter anderem Hotels und Gastronomiebetriebe bezüglich Recruiting, Businessentwicklung, Teamentwicklung, Führung, Marketing etc. und arbeite etwa 80%. Meine beiden sechsjährigen, lebhaften Zwillingsbuben beanspruchen die anderen 80% meines Lebens... Der Spagat ist zugegebenermassen nicht immer einfach.

Im Rahmen meiner Beratung von Hotels und Restaurants widme ich mich auch gerne Projekten mit einer sozialen oder spirituellen Note. Ich bin zum Beispiel Verwaltungsrätin der Frauenhotel AG, welche die Hotels ‹Lady's First› und ‹Hotel Marta› in Zürich betreibt. An beiden Orten werden Frauen mit einer Leistungsbeeinträchtigung beschäftigt, um ihnen eine Chance für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu geben. Und immer wieder berate ich auch Klöster, wie das Kloster Fahr, das Kloster Kappel oder neu das Kloster Wil, das ich bei einer Neuorientierung unterstütze.

Ausserdem sind mir Engagements wichtig, die über das Berufliche hinausgehen. Ich war schon als Kind Pfadiführerin und stehe 2014 auf der Gemeinderatsliste der FDP. Ich war fünf Jahre im Vorstand des BPW (Business- and Professional Women) und sechs Jahre im Vorstand des ZUNIV. Der Gesellschaft oder der Universität etwas zurückzugeben, ist für mich selbstverständlich. Ich wuchs schon mit diesem Gedankengut auf, und es macht mir einfach Freude, wenn ich einen Beitrag leisten kann und es anderen gut geht, aber ich bin kein altruistischer ‹Gutmensch›. Ich war als Studentin eine rauchende «Töffbraut» und bin durch und durch Geniesserin. Auch davon gebe ich gerne etwas weiter, zum Beispiel mit den Koch-Coachings, wo ich Private berate, wie sie in ihrer Küche, mit ihren eigenen Mitteln am besten und effizientesten kochen und Gäste bewirten. Selbst geniessen und anderen Menschen zu mehr Genuss verhelfen, das macht mir Spass.»

(aufgezeichnet im November 2013, ds)

www.scotoniberger.ch